Geschichte der Geburtenregelung im 20. Jahrhundert
Umgang mit Abtreibung und Verhütung
Während die Geburtsregelung im 19. Jahrhundert von quantitativen bevölkerungspolitischen Überlegungen geprägt war, rückten – bedingt durch die rasch voranschreitende Industrialisierung und Urbanisierung – im frühen 20 Jahrhundert qualitative Aspekte (Zusammensetzung der Bevölkerung) in den Mittelpunkt. Mit der Formierung einer organisierten Frauenbewegung um die Jahrhundertwende wurden reproduktive Rechte Streitapfel geschlechterpolitischer Auseinandersetzungen. Die sogenannte Gebärstreikdebatte vor dem Ersten Weltkrieg markiert einen ersten Höhepunkt der Politisierung und Polarisierung am Ende der Kaiserzeit. Zentrale Streitthemen waren in der Weimarer Republik Pro und Kontra Sexualaufklärung, Ehe- und Sexualberatung, Schwangerschaftsverhütung und Abtreibung vor dem Hintergrund Individual- und kollektivrechtlicher Debatten, wie der Eugenik. Letztere dominierte in Gestalt der deutschen Rassenhygiene die NS-Zeit mit ihren restaurativen polaren Geschlechterbildern und der Orientierung an der „Gesunderhaltung des Volkskörpers“, was eine verheerende inhumane Vernichtungspolitik nach sich zog. Dies bildete den Ausgangspunkt der Nachkriegsdiskussion in der Bundesrepublik und der DDR. Obwohl mit der Gründung der ProFamila 1952 an US-amerikanischen Modellen der Vorkriegsdiskussion angeknüpft werden sollte, wurden sie durch personelle Kontinuitäten maßgeblicher Protagonist_innen aus der NS-Zeit diskreditiert. In der DDR bestimmten Positionen der Geburtenregelung vom linken Flügel der Weimarer Zeit die staatspolitischen Direktiven und gesetzlichen Regelungen z.B. Prävention (Pille) und Abtreibung.
Dr. Rainer Herrn, Jg. 1957, war bis 2023 Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin der Charité sowie der Magnus Hirschfeld-Gesellschaft e. V. Berlin.
Seine Forschungsschwerpunkte sind sexuelle und geschlechtliche Minderheiten im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert sowie die Geschichte der Sexualwissenschaft, Psychoanalyse und Psychiatrie. Aktuelle Forschungsprojekte beschäftigen sich mit dem Institut für Sexualwissenschaft (1919-1933) sowie Entwicklung der Klassifikation psychiatrischer Diagnosen in Deutschland (1850-1933). Letzte Veröffentlichungen: Aushandlungen einer reichseinheitlichen psychiatrischen Klassifikation oder wie aus dem Berliner Schlüssel der Würzburger Schlüssel wurde. Medizinhistorisches Journal, 57, 2022, 1, S. 36-73. Der Liebe und dem Leid, das Institut für Sexualwissenschaft 1919-1933, Suhrkamp 2022.
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Dozierende: Dr. Rainer Herrn
Geschichte der Geburtenregelung im 20. Jahrhundert
Online- Termin:
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24.06.2026
16:00 – 19:00 Uhr
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