Hochschullehrgang Sexualpädagogik (Vierländereck Bodensee)

Ein Angebot von Schloss Hofen (Vorarlberg) in Kooperation mit dem Qualifizierungsverbund Soziales & Gesundheit.

Kursleitung: Institut für Sexualpädagogik.

Ausbildungsziel
Die Absolvent*innen der Weiterbildung erwerben die notwendigen Grundlagen und methodischen Kompetenzen, sexualpädagogische und –beraterische Angebote für verschiedene Zielgruppen in unterschiedlichen Settings auf aktuellem, fachlich hohem Niveau zu entwickeln und durchzuführen.

Beim erfolgreichen Abschluss des Lehrgangs erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat, das den Richtlinien und Standards des Instituts für Sexualpädagogik entspricht.

Zielgruppe
Das Weiterbildungsangebot richtet sich an Fachpersonen aus den deutschsprachigen Ländern, die sich für einen professionellen Umgang mit dem Themenbereich Sexualität in ihrer Arbeit qualifizieren wollen.
Fachkräfte, die in ihrer pädagogischen oder beraterischen Arbeit mit Fragen der Sexualität von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Menschen mit und ohne Behinderung in Kontakt kommen, d.h. Sozialpädagog*innen, Sozialarbeiter*innen, Mitarbeitende im Gesundheitswesen, Lehrer*innen und Psycholog*innen.
Fachkräfte, die als Multiplikator*innen tätig sind (Ausbildner*innen, Erwachsenenbildner*innen etc.).

Umfang
8 Module im Zeitraum von zwei Semestern
28 Tage Präsenzunterricht in 8 Themenblöcken von 3 bis 5 Tagen
4 Halbtage Lerngruppen
Praxisprojekt mit schriftlicher Dokumentation und Präsentation
Kolloquium
Literaturstudium, Internetrecherchen. Der Arbeitsaufwand für die Teilnehmenden beträgt insgesamt 450 Stunden, wofür 18 Punkte nach ECTS vergeben werden. Diese teilen sich auf in 252 Stunden Kontaktunterricht, 113 Stunden Literaturstudium und Recherchen, 60 Stunden Praxisprojekt und 25 Stunden Praxisgruppentreffen.

Themen des Zertifikatslehrgangs

Modulbeschreibungen

Modul 1
Im Zentrum dieses Moduls stehen Informationen zu Inhalten und Organisation des Lehrgangs sowie das Kennenlernen der Lehrgangsgruppe. Persönliche Lerninteressen, sowie Erwartungen, Wünsche und Befürchtungen im Zusammenhang mit sich selbst, der Gruppe und dem Leitungsteam werden wahrgenommen und diskutiert. Inhaltlich werden erste Grundlagen zum Sexualitätsverständnis erworben bzw. erweitert und es wird mit konkreten sexualitätsbezogenen Arbeitsfeldsituationen der Teilnehmenden gearbeitet. In Bezug auf sexualitätsbegleitendes professionelles Handeln ist die Auseinandersetzung mit eigenen Stärken und Schwächen ein wichtiger Aspekt.

Modul 2
Den Teilnehmenden wird ermöglicht, ihre je eigene Sexualaufklärungsgeschichte zu reflektieren, um die präsentierten zielgruppenspezifischen Aufklärungsmedien und –methoden angemessen einzusetzen. Hierzu gehört auch die Klärung der Relevanz, der Chancen und Grenzen von Körper- und Sexualaufklärung im Rahmen sexueller Bildungsangebote.
Im Detail erwerben die Teilnehmenden ausgewählte Kenntnisse über biologische Grundlagen der Sexualität, Funktionen der Sexualorgane, Fruchtbarkeit sowie sexuelle Gesundheit und verständigen sich über relevante Körper- und Sexualitätsfragen. Dabei werden zentrale informative Methoden zum Thema Verhütung und sexuell übertragbare Infektionen erarbeitet.

Modul 3
Das fünftägige Modul spannt einen Bogen vom Blick auf gruppendynamische Prozesse über die Auseinandersetzung mit dem biografischen Werden auf kognitiver, emotionaler und körperlicher Ebene bis hin zur Erweiterung sexualberaterischer Kompetenzen.
Ein wesentlicher Teil ist die Vermittlung grundlegender gruppendynamischer Kenntnisse und das Lernen am Model – über Selbst- und Fremdwahrnehmung der eigenen Person in Gruppen. Im Mittelpunkt der biografischen Arbeit steht die Reflexion der eigenen Sozialisations- und Bildungsprozesse, Wert- und Moralvorstellungen im Hinblick auf Sexualität und deren Einfluss auf das sexualpädagogische Arbeiten. Die Begegnung mit der eigenen Körpergeschichte soll dessen Bedeutung für das sexualpädagogische Wirken ins Bewusstsein heben. Dabei werden Erfahrungsräume für ein ganzheitliches Lernen zur Verfügung gestellt. Als Grundlage für professionelles Handeln wird der Beschäftigung mit der Balance von Nähe und Distanz Raum gegeben.
Im Zuge der Professionalisierung sexualpädagogischen Arbeitens wird das Thema Sexualität und Sprache fokussiert und der Stellenwert sowie die Ressourcen sexualpädagogischer Beratung in Abgrenzung zur Sexualberatung und -therapie erörtert und geübt.

Modul 4
In dem dreitägigen Modul haben die Teilnehmenden die Möglichkeit sich mit der psychosexuellen Entwicklung auseinanderzusetzen. Angefangen mit kindlicher Sexualität und den ersten Lebensjahren werden die (sexuellen) Entwicklungsschritte über die Jugendphase, Bedingungen der erwachsenen Sexualität, Sexualität und Behinderung sowie die Besonderheiten von Alterssexualität erarbeitet. Dabei werden zentrale und aktuelle Theorien der deutschsprachigen Sexualpädagogik sowie der deutschsprachigen Sexualwissenschaft besprochen und diskutiert. Im Rahmen des Moduls werden dabei die gesellschaftlichen Bedingungen von Sexualität reflektiert. Im Sinne der sich durchziehenden Reflexion des eigenen Seins und Tuns entwickeln Teilnehmer*innen eine eigene Positionierung im Feld der sexuellen Bildung.

Modul 5
Im Mittelpunkt dieses Moduls steht die Auseinandersetzung der Teilnehmer*innen mit der menschlichen Vielfalt von Sexualität. Dies beinhaltet die individuellen Facetten der Wahrnehmung, des Empfindens und Erlebens, bis hin zur Ausgestaltung von gelebter Sexualität in den unterschiedlichen Lebensphasen. Dazu wird das eigene Verständnis und Wissen zu den unterschiedlichen Themen wie Rolle, Geschlecht und Identität aufgearbeitet und in Kontext der eigenen Fachlichkeit gestellt. Mit methodischen Vertiefungen zu den unterschiedlichsten Vielfaltsthemen werden für die sexualpädagogische Arbeit zusätzliche Kompetenzen erworben. Des Weiteren wird auch kulturelle Vielfalt im Brückenschlag zwischen dem Eigenen und dem Fremden reflektiert und eine differenzierte Haltung gestärkt.

Daran schließt ein halbtägiger Seminarblock zum Thema Recht an sowie zusätzlichen online Angeboten zu den länderspezifischen Fragen nach deutschem, österreichischem und schweizer Recht.

Modul 6

Das Modul bietet die Möglichkeit sich mit dem komplexen Thema sexueller Gewalt auseinanderzusetzen.
Es werden grundlegende Informationen zu den bedeutsamen Aspekten des großen Bereichs „Sexuelle Gewalt “ im Kontext pädagogischer Settings vermittelt. Die Situation von betroffenen Kindern und Jugendlichen mit sexuellen Gewalterfahrungen steht hierbei im Mittelpunkt. Es geht um die Interpretation von „Missbrauchssignalen“, um familiendynamische Aspekte bei der sexualpädagogischen Begleitung, um Bewältigungsstrategien von Betroffenen aber auch um den Umgang mit übergriffigen Kindern und Jugendlichen.
Möglichkeiten der Intervention und Prävention werden aufgezeigt und eingeschätzt. Wirkungskraft und Grenzen von Hilfe und Unterstützung werden besonders im Blick auf die Tätigkeit sexualpädagogischer Fachkräfte geklärt. Dabei wird im Seminar der eigene Bezug zum Thema reflektiert. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Bewusstwerdung der Übergänge zwischen konsensfähigen und grenzverletzenden Verhalten im Sexuellen. Schließlich wird der gesellschaftliche Diskurs des Themas in den Blick genommen. Die unterschiedlichen fachwissenschaftlichen Positionen und Aspekte werden vorgestellt und besprochen.

Modul 7

Hier nehmen der Körper und die Körperarbeit einen besonderen Raum ein. Es werden körperorientierte Ansätze der Bildungsarbeit vorgestellt und kritisch geprüft. Im Speziellen findet eine vertiefte Auseinandersetzung mit Sexocorporel und dessen Stellenwert für die sexuelle Bildung statt.
Der Körper wird mit all seinen Sinnen und seiner Sinnlichkeit im Rahmen von Selbsterfahrung und theoretischer Einbettung in den Fokus gerückt. Ziel ist es den Körper in seiner Vielschichtigkeit als Ankerpunkt sexuellen Lernens, – Erlebens und sexueller Kompetenzentwicklung zu erfassen.
Der Vielfältigkeit sexueller Ausdrucksformen wird abseits normativer Darstellungen vom berauschend Schillernden bis hin zu irritierenden Seiten von Erleben nachgespürt. Chancen und Herausforderungen im Umgang mit Pornografie, Sexting sowie Sexarbeit werden zwischen lustvoll bis hin zu verstörend erregenden Inhalten diskutiert. Die eigene Position wird in geschützten Räumen geprüft.

Modul 8

Das Abschlussmodul beinhaltet neben dem Erbringen der beiden Leistungsnachweise in Form der Projektpräsentation und des Kolloquiums zum Erlangen des Zertifikates auch inhaltliche Themen. Hierbei wird der eigene Lernprozess sowie gruppendynamische Prozesse reflektiert und methodische Möglichkeiten in der Gestaltung von Abschluss und Abschied vertieft. Dieses Modul bildet den Abschluss des Lehrganges mit der Zertifizierungsfeierlichkeit.

Methodik
Sexualität ist das Ergebnis von Lernerfahrungen auf der Ebene des Körpers, der Emotionen, der Beziehungen und des Denkens. Sexuelle Bildungsarbeit schafft über die Wissensvermittlung hinaus soziale wie emotionale Lernräume. In diesen Lernräumen ist der Körper immer als Resonanzraum für die eigenen Wahrnehmungen als auch die der anderen präsent. Daher wird im Rahmen des Lehrgangs immer wieder auf diesen Bezug genommen, um mit den Teilnehmer*innen unter anderem die Themen der Scham(losigkeit), der Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomene zu reflektieren und sich diese bewusster zu machen. Zudem hat körperorientierte sexuelle Bildung das Potenzial, den Menschen in seiner sexuellen Entwicklung ganzheitlich anzusprechen. Im Lehrgang arbeiten wir auf der Grundlage der Ansätze des Sexocorporel, der Achtsamkeit sowie körper- und emotionsfokussierter Ansätze.

Abschluss
Der Lehrgang ist an der FH Vorarlberg als Lehrgang zur Weiterbildung nach § 9 Fachhochschulgesetz (FHG) eingerichtet. Beim erfolgreichen Abschluss des Lehrgangs erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat der FH Vorarlberg, das den Richtlinien und Standards des Instituts für Sexualpädagogik (isp) Deutschland entspricht. Sie erfüllen damit auch die Anforderung der Gesellschaft für Sexualpädagogik Deutschland (gsp), um das Qualitätssiegel der gsp beantragen zu können.
Der erfolgreiche Abschluss des Lehrgangs erfordert:
· Die erfolgreiche Teilnahme an den Lehrveranstaltungen,
· eine positiv benotete Dokumentation und Präsentation des Praxisprojektes sowie
· ein positiv beurteiltes Kolloquium.

Fachliche Leitung
Christine Hofstätter, Wien, Dozentin am Institut für Sexualpädagogik

Wissenschaftliche Leitung
Univ. Dr. Karlheinz Valtl, Institut für Bildungswissenschaften an der Universität Wien

Start der Weiterbildung: Oktober 2022

Nähere Informationen sowie Kosten direkt bei:

Schloss Hofen
Wissenschaft & Weiterbildung
Hofer Straße 26 | 6911 Lochau, Austria
T +43 5574 4930
E-mail: soziales@schlosshofen.at
Infos Lehrgang Schloss Hofen

Termin:
Zeitraum: 17.10.2022 - 07.09.2023

17.-19. Okt. 2022 in Schloss Hofen
28.-30. Nov. 2022 in Schloss Hofen
24.-28. Jan 2023 in Buchboden
06.-08. März 2023 in Schloss Hofen
24.-27. April 2023 in Schloss Hofen
22.-24. Mai 2023 in Buchboden
29. Juni-02. Juli 2023 in Buchboden
05.-07.Sep. 2023 in Schloss Hofen

Kosten:

EUR 5.980,00 (keine Umsatzsteuer), inkl. Seminarunterlagen und Pausengetränke.
Hinzu kommen die Kosten für die Nächtigungen im Seminarhotel in Buchboden, die aus didaktischen Gründen für alle verpflichtend und vorreserviert sind: 9 x Vollpension in Buchboden im DZ: EUR 105,00, im EZ: EUR 120,00 pro Person und Tag, zuzüglich 3 x Mittagessen am letzten Seminartag je ca. EUR 25,00, falls gewünscht.

Zimmer im Schloss in Lochau sind bei Bedarf selbst zu reservieren: DZ mit Frühstück EUR 49,40, im EZ EUR 59,40. Hotelkosten sind von den Teilnehmenden vor Ort selbst zu bezahlen.

Online Bewerbungen unter: https://bewerbung.schlosshofen.at



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