Newsletter 03-2007 des Instituts für Sexualpädagogik

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
aus aktuellem Anlass möchten wir in diesem Newsletter über ein Thema berichten, das uns und vielleicht auch Sie / Euch zur Zeit sehr
beschäftigt.

Es geht um die Pressekampagne gegen die beiden
Elternratgeber-Broschüren Körper, Liebe, Doktorspiele zur kindlichen Sexualentwicklung vom 1. 3. sowie vom 4. bis zum 6. Lebensjahr. Herausgeberin ist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Autorin die isp-Dozentin Ina-Maria Philipps.

Viele SexualpädagogInnen kennen diese Broschüre, die seit sechs Jahren kostenlos über die BZgA bestellt werden kann. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass sie inzwischen ein Standardwerk im Bereich kindliche Sexualität / Sexualerziehung darstellt. Mehr als 650.000 Exemplare wurden in Deutschland bereits von Eltern und ErzieherInnen bestellt. Doch ob dies in Zukunft noch möglich sein wird, ist inzwischen mehr als fraglich.

BZgA-Bestellseite

BZgA-Pressemitteilung 2001

Die katholisch-fundamentalistische Publizistin Gabriele Kuby und ihre UnterstützerInnen haben in den letzten Tagen und Wochen durch eine breite Pressekampagne versucht, der Broschüre den Anschein der Förderung von Kindesmissbrauch zu geben. Verschiedene Zeitungen und Onlineausgaben von Magazinen haben die Kritik an den Broschüren aufgegriffen und haben dazu mehrere von Kuby bewusst aus dem Zusammenhang gerissene Broschürenzitate übernommen, ohne sich mit der Broschüre selbst und ihrer sexualpädagogischen Intention auseinander zu setzen.

Homepage von Gabriele Kuby

Website kreuz.net

Vor allem ein Artikel des Kölner Express vom 30. Juli hatte mit zusätzlichen ExpertInneninterviews den Stein ins Rollen gebracht. Der BZgA als Herausgeberin, der dafür in Verantwortung stehenden Bundesfamilienministerin und letztlich auch der Autorin wird hier vorgeworfen, eine Anleitung für Pädophile verfasst und unters Volk gebracht zu haben. Eine 64-jährige Kölnerin erstattete Anzeige gegen die BZgA.

[Artikel des Kölner Express ist nicht mehr online verfügbar.]

SPIEGEL-Online

Focus-Online

Wer die Broschüre und ihre Aussagen unter anderem zur Prävention von Missbrauch kennt, vermag zu durchschauen, dass es sich hier um eine verleumderische Kampagne handelt, mit der gezielt Schaden angerichtet werden soll. Bei den meisten LeserInnen werden die aus dem Zusammenhang gerissenen Broschürenzitate und die vernichtenden Urteile der befragten ExpertInnen ihre politische Wirkung nicht verfehlen. Es geht also inzwischen um mehr als um die Korrektur von missverständlichen Passagen, wie es das in Not geratene Bundesministerium darzustellen versucht.

Das Ansehen der betroffenen Institution und der Autorin wurden durch diese Kampagne beschädigt und das Geschehen hat die Qualität, insgesamt Verunsicherung und Verängstigung bei Eltern, ErzieherInnen und SexualpädagogInnen auszulösen. Das isp hat sich daher entschieden, öffentlich Stellung zu beziehen. Die Stellungnahme bietet Ihnen / Euch Hintergrundinformationen und Argumente für die mögliche Auseinandersetzung mit fragenden Eltern, KollegInnen oder PressevertreterInnen.

Stellungnahme des isp

Auch Prof. Dr. Uwe Sielert von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und wissenschaftlicher Beirat des isp hat inzwischen eine Stellungnahme verfasst, die über unseren Downloadbereich verfügbar ist.

Stellungnahme Sielert

Wir würden uns freuen, wenn Ihr euch / Sie sich in Form von Rückmeldungen und verschiedenster Unterstützung der betroffenen Personen / Institutionen engagieren würdet /würden. Wir möchten auf unserer Website eine Plattform einrichten, auf der Feedbacks und fachliche Stellungnahmen veröffentlicht werden können. (Sie befindet sich bereits auf der Seite Aktuelles)
Hilfreich sind auch Briefe an das Bundesfamilienministerium, um sich für einen Erhalt der Broschüre auszusprechen.

Wir hoffen sehr, dass auf diese Weise eine Gegenbewegung erkennbar wird und dass der Schaden für die sexualfreundliche Sexualpädagogik begrenzt bleibt.

Rückmeldung geben

Auf zwei Vorträge von Ina-Maria Philipps und Uwe Sielert, die die Position des isp zu diesem Thema weiter verdeutlichen und, die sich in unserem Downloadbereich befinden, sei ergänzend hingewiesen:

Vortrag Sielert

Vortrag Philipps
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